Ubud

Die vielen religiösen Bräuche und der allgegenwärtige Glaube der Einheimischen verleihen der Insel Bali generell eine gewisse Magie. In Ubud fühlt es sich dank zahlreicher heiliger Stätten und hinduistischer Tempel an, als wäre diese Energie potenziert. Die Luft ist geschwängert von den Räucherstäbchen der zahlreichen Opfergaben und ein Tempel reiht sich an den nächsten.

Passend zu dem spirituellen Flair der Stadt haben sich hier einige Yogastudios und „Healer“ angesiedelt. Wer holistische Heilung sucht ist hier also bestens aufgehoben. Die zahlreichen Yogastudios bieten Stunden in jedem Stil an, es gibt Workshops zu den Themen Meditation, Chakren, Breathwork, Reiki und vielem mehr. Außerdem haben sich viele Geschäfte auf Yoga-Kleidung, Edelsteine und Bücher aus dem Bereich Esoterik spezialisiert.

Das spirituelle Herz Balis

Auf dem Weg zu mentaler und körperlicher Heilung spielt natürlich auch gesunde Ernährung eine entscheidende Rolle. Passend dazu ist Ubud ein wahres Paradies für Veganer und Vegetarier. Neben typisch indonesischer Küche findet man hier zahlreiche Restaurants, die sich auf pflanzenbasierte Gerichte spezialisiert haben. Doch natürlich kommen auch Fleischesser auf ihre Kosten und können sich durch die Vielzahl an Restaurants und Cafés schlemmen.

Wer sich für die balinesische Kultur, Yoga und Spiritualität interessiert, der muss also auf jeden Fall einmal nach Ubud. Doch das ist bei weitem nicht alles, was das Städtchen zu bieten hat. Im Zentrum Bali’s gelegen bietet Ubud Ausflugs- und Freizeitmöglichkeiten aller Art. Doch wo genau liegt der Ort eigentlich, was kann man dort sonst noch alles erleben und für wen lohnt sich eine Reise? Das wollen wir im folgenden Artikel klären.

Wo liegt Ubud?

Eingebettet in den saftig grünen Regenwald und umringt von Reisfeldern liegt das kleine Städtchen im zentralen Hochland Bali’s. Durch die höhere Lage mitten im Dschungel ist es hier etwas kühler als in den Küstenregionen der Insel. Die Strandorte Sanur und Canggu sind trotzdem nur etwas weniger als eine Stunde entfernt.

Auch zum internationalen Flughafen Ngurah Rai bei Denpasar fährt man nur etwa 60 Minuten. In Ubud selbst gibt es schon viel zu entdecken, doch es gibt umliegend auch zahlreiche Ausflugsziele, die einen Besuch wert sind.

Kunst und Kultur

Gerne als kulturelles Mekka Bali’s bezeichnet bietet Ubud eine breite Palette an traditioneller Handwerkskunst. In Ubud und Umgebung findet man unzählige Künstler und Galerien, die ihre schönen Holzschnitzereien und Gemälde preisbieten. Außerdem kann man an diversen Workshops wie Koch-, Schmuckbastel-, Mal- oder Batikkursen teilnehmen.

Eine weitere sehenswerte Kunstform sind die traditionellen Tanz-Aufführungen, Kecak und Legong genannt. Beim „Kecak“ handelt es sich um ein Drama, bei dem 50 bis 100 männliche Tänzer in Form von Gesang und Tanz die Geschichte des indischen Epos „Ramayana“ erzählen. Eine „Legong-Aufführung“ ist gekennzeichnet durch die sehr aufwendigen Kostüme und stark geschminkten Gesichter der Tänzerinnen. Hier liegt der Fokus auf den Nuancen in Mimik und Gestik der Darstellerinnen. Untermalt wird das tänzerische Können von einem traditionellen „Gamelan-Orchester“. Beide Aufführungen sind sehr authentisch und bieten eine tolle Gelegenheit, der balinesischen Kultur, den Göttern, Geistern und Dämonen der Insel näher zu kommen.

Die Geschichte Ubuds als künstlerisches Zentrum

Die Magie des Platzes müssen schon im 9. Jahrhundert der Hindupriester Sri Marhandaya und seine Pilger gespürt haben, die sich hier niederließen. Ubad (Medizin) nannte der Priester den Ort, weil hier außergewöhnlich viel Heilpflanzen wuchsen. Ein fast undurchdringlicher Dschungel umgab die Lichtung, auf der die Hindus ihr Dorf errichteten; der Urwald bewahrte die Siedlung lange vor äußeren Einflüssen.

Erst im späten 18. Jahrhundert wurde Ubud dem Königreich Gianyar zugeschlagen, das zehn Kilometer östlich seinen Sitz hatte, und 100 Jahre später ließ sich der Fürst Cokorde Sukawati in dem Ort nieder. Ihm verdankt das Dorf seinen Ruf als Künstlerkolonie. Cokorde -Sukawati und später sein Sohn Cokorde Gede Raka Sukawati fördeten die schönen Künste: Bildhauerei, Malerei, Schnitzerei, Musik und Tanz.

Einer der bekanntesten Künstler war der Bildhauer und Maler I Gusti Nyoman Lempad aus Bedulu, der unter dem Schutz der Fürsten in Ubud eine neue Heimat und künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten fand. 1978 starb er im Alter von 116 Jahren. Das Lempad-Haus an der Hauptstraße stellt seine Werke aus, Zeugnisse seiner Steinmetzkunst sind am Kopfende des Lotusteiches auch die Tore und der Eingang des Palastes (Puri) Saraswati, der zum Hotel umgestaltet wurde.

Wirkliche Veränderungen für Südbali und damit auch für Ubud brachten die Jahre ab 1908. Nach den Selbstmorden der Königshäuser Gianyars, Klungkungs und Badungs übernahmen die Holländer die politische Macht und bauten die Infrastruktur der Insel aus. Es entstanden Systeme zur Wasserversorgung und Autostraßen, auf denen in den zwanziger Jahren die ersten Touristen nach Ubud kamen. Im Jahr 1927 lud der Cokorde den deutschen Maler und Musiker Walter Spies ein, der in Yogyakarta als Kapellmeister arbeitete.

Wo heute das Tjampuan Hotel steht, baute der Künstler auf geschenktem Land an der Campuan-Schlucht ein Haus und legte damit den Grundstein für die Künstlerkolonie. Die ständige Anwesenheit des charmanten, weltgewandten Walter Spies lockte bald andere westliche Künstler und Interlektuelle an, darunter den holländischen Maler Rudolf Bonnet, den mexikanischen Karikaturist und Ethnographen Miquel Covarrubias und seine Frau Rose, den Musiker Collin McPhee und die deutsch-amerikanische Schriftstellerin Vicky Baum. Sie alle arbeiteten über Bali, es entstanden Bücher, Bilder, Filme und Musik, die die Insel in aller Welt bekanntgemacht haben.

Spies und Bonnet beeinflußten die balinesische Malerei grundlegend: Die traditionelle balinesische Malkunst stellte bis Dahin streng regelhaft zweidimensionale und comicstrip-artige Szenen aus der Götterwelt dar; erst die beiden europäischen Maler erschlossen den Balinesen die dritte Dimension und damit räumliche Tiefe sowie Licht und Schatten. Auch weltliche Motive hielten jetzt Einzug in die traditionelle Malerei.

Fachleute nennen Walter Spies den größten Tropenmaler neben Gaugin. Anders als der auf Tahiti arbeitende Franzose war Spies jedoch kein Zivilisationsflüchtling. 1936 rief der gebürtige Deutsche zusammen mit I Gusti Nyoman Lempad, Rudolf Bonnet und Cokorde Gede Agung Sukawati die Künstlervereinigung Pita Moha ins Leben, um balinesische Kunst weltweit bekannt zu machen und zu vermarkten.

Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in und um Ubud

Monkey Forest

Das wohl bekannteste Ausflugsziel in Ubud ist der sogenannte Monkey Forest. Mitten in der Stadt liegt der 12,5 Hektar große Garten, in dem über 600 balinesische Langschwanzmakaken frei leben. Dank der großzügig angelegten und üppig bewachsenen Anlage können sich die Affen hier kräftig austoben und ihr „Unwesen“ treiben. Die kleinen Frechdachse leben in freier Wildbahn und als Besucher muss man aufpassen, dass sie einen nicht beklauen. Bei den Affen beliebt ist natürlich Nahrung jeglicher Art, aber auch Schmuck, Sonnenbrillen und Handys sind beliebte Objekte der Langfinger. Im Idealfall kann man sie mit einer Banane bestechen, das Diebesgut wieder zurück zu geben.

Baby-Affen sind sehr süß, aber Mütter mit Jungtieren sollte man lieber mit etwas Abstand bestaunen. Da die Mamas ihre Kinder beschützen wollen, können sie durchaus mal aggressiv werden, wenn sie sich bedroht fühlen. Generell sind die Affen aber harmlos und sehr niedlich. In der Anlage liegen außerdem drei beeindruckende hinduistische Tempel aus dem 14. Jahrhundert.

Der Affenwald ist täglich von 9 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet und definitiv einen Besuch wert.

Ubud Market

Der Ubud Market liegt mitten im Zentrum und bildet somit das Herzstück der kleinen Stadt. Hier findet man von allem etwas: Typisch balinesische Souvenirs, Kleidung, Kunstwerke, Flip-Flops, Sarongs und vieles mehr. Über den Markt verteilte Essenstände sorgen mit typisch indonesischen Snacks für das leibliche Wohl der Besucher.

Campuhan Ridge Walk Ubud

Nur etwa einen Kilometer entfernt vom Ubud Market befindet sich ein Wanderweg inmitten der Natur. Der „Campuhan Ridge Walk“ führt auf einen kleinen Hügel, von dem aus man eine wunderschöne Panorama-Aussicht ins Grüne genießen kann.

Tempel

Rund um Ubud gibt es zahlreiche heilige Stätten zu besichtigen – einige davon zählen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Balis. So zum Beispiel den Tempelkomplex „Tirta Empul“ oder die aufwendig geschnitzte Elefantenhöhle „Goa Gajah“. Ein besonders schöner Tempel ist der nördlich von Ubud, etwas versteckt gelegene, „Pura Gunung Kawi Sebatu“. Er beeindruckt mit heiligen Quellen, kunstvollen Steinmetzarbeiten und einem romantischen Pavillon.

30 Minuten nördlich von Ubud findet man einen der Staatstempel, den „Pura Tirta Empul“. Den Kern der prunkvollen Tempelanlage bildet ein mit heiligem Quellwasser gefülltes Becken. Hier werden hinduistische Zeremonien abgehalten und Einheimische unterziehen sich spirituellen Waschungen. Auch als Besucher darf man im Sarong gekleidet unter den 20 Fontänen, die alle verschiedene Bedeutungen und Wirkungen haben sollen, baden. Außerdem kann man an einer schamanischen Reinigungs- und Heilungszeremonie teilnehmen.

Tegenungan Wasserfall

Der berühmte Wasserfall „Tegenungan“ liegt nur etwa 20 Fahrminuten von Ubud entfernt und ist stets gut besucht. Daher empfiehlt es sich, am frühen Morgen herzukommen, wenn noch nicht so viel los ist. Ein Guide führt die Besucher bei einer kleinen Wanderung zum Wasserfall und dessen Becken, in dem man baden kann. Also Schwimmsachen nicht vergessen! Man kann vorab entscheiden, ob man nur den unteren Teil namens Tegenungan sehen möchte oder ob man bis zur Wasserfall-Spitze „Blangsinga“ gehen möchte. Man kann auch den Parkplatz des Blangsinga-Teils direkt ansteuern und landet dann bei einem Parkplatz weiter oben, sodass man weniger weit laufen muss.

Goa Rang Reng Wasserfall und Canyon-Trekking

Nur etwa 30 Minuten von Ubud entfernt findet man den Goa Rang Reng Wasserfall, der über mehrere, breite Felsen verläuft und somit etwas anders als andere Wasserfälle ist. Hier kann man zudem eine abenteuerliche Trekking-Tour durch den Canyon machen.

Tegalalang Reisterrassen

Zu den schönsten Orten rund um Ubud zählen wohl die Tegalalang Reisterrassen, die auch unter dem Namen Ceking Reisterrassen bekannt sind. Nur 20 Fahrminuten von Ubud entfernt findet man dieses saftig grüne Naturschauspiel. Hier kann man einen 30-minütigen Spaziergang mitten durch die Reisfelder machen und hier und da in ein Café oder Restaurant einkehren.

Wildwasser-Rafting auf dem Ayung River

Wem der Sinn nach mehr Action steht, der kann in Ubud eine aufregende Wildwasser-Rafting-Tour durch den Fluss „Ayung“ machen. Für dieses spannende Abenteuer bucht man am besten eine geführte Tour. Hierfür gibt es zahlreiche Anbieter, die sich im Preis und Angebot nicht viel nehmen und Material inklusive Helm und Schwimmweste stellen. Der Fluss führt durch verschieden starke Stromschnellen mitten durch den Dschungel Ubud‘s.

Downhill Biken

Die meisten Menschen bewegen sich auf Bali mit einem Motorroller fort. In Ubud kann man diesen durch ein Mountainbike ersetzen und Downhill Biken ausprobieren. Hierbei verzaubert der anfängliche Ausblick auf den Vulkan „Mount Batur“ mit anschließender Tour durch sattgrüne Reisfelder

Vulkane bei Ubud

Bali’s Landschaftsbild ist geprägt von zwei beeindruckenden Vulkanen, dem „Gunung Agung“ (3031 Meter) und dem „Gunung Batur“ (1717 Meter). Beide Berge können bestiegen werden. Sehr beliebt ist hierbei eine Wanderung zum Sonnenaufgang. Mitten in der Nacht steigt man mit einem Guide bis zum Gipfel und genießt die Aussicht bei einem stärkenden und wärmenden Frühstück. Hier herrschen aufgrund der Höhenlage vor allem in der Nacht frostige Temperaturen, also unbedingt entsprechende Kleidung, am besten im Zwiebelprinzip, anziehen. Die aktiven Schichtvulkane sind beide in einer bis anderthalb Stunden von Ubud aus erreichbar und der Aufstieg ist nur mit Führung erlaubt.

Fazit: Für wen lohnt sich eine Reise nach Ubud?

Ein Besuch in Ubud lohnt sich für jeden, der sich die zahlreichen Ausflugs- und Freizeitmöglichkeiten nicht entgehen lassen möchte. In Ubud und um Ubud herum kann man so viel erleben, dass man am besten direkt einen längeren Aufenthalt einplant. Wer auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung ist oder sich für Yoga und die balinesische Kultur interessiert, ist hier ebenfalls sehr gut aufgehoben.

Abenteuerlustige, Aktivurlauber und Naturfreunde werden hier ebenso fündig wie Kulinarik-Fans, die sich durch die zahlreichen Restaurants und Cafés probieren können. Wer statt Action eher Erholung sucht, der findet auch in Ubud schöne Spas, die unter anderem wunderbar entspannende Massagen anbieten.

Nur für sonnenhungrige Wasserratten ist Ubud nicht unbedingt die ideale Destination, denn den Strand sucht man vergeblich. Aber dafür gibt es auf Bali ja etliche andere Orte direkt am Meer.

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