Denpasar

Wer schon einmal in Asien war, der weiß vielleicht wie asiatische Großstädte so sind: Laut, chaotisch, hektisch und tendenziell eher schmutzig. Doch eben gleichzeitig auch lebendig, spannend, exotisch und aufregend. Und Denpasar, die Hauptstadt der indonesischen Insel Bali, stellt hier keine Ausnahme dar.

Manch einer behauptet, dass Denpasar nicht viel zu bieten hätte, doch das ist nicht ganz wahr. Die geschäftige, Multikulti-Stadt strotzt geradezu vor Tempeln, Palästen und Museen. Abseits der ausgetretenen Touristenpfade gibt es hier noch einiges zu entdecken.

Denpasar ist nicht nur die größte Stadt der Insel und das Verwaltungszentrum der Provinz Bali, sondern wächst auch rasant. Und das sowohl ökonomisch als auch in Bezug auf die Einwohnerzahl. Mittlerweile leben hier über 900.000 Menschen. Im Jahr 2000 waren es noch lediglich 387.477 Einwohner und in 2010 bereits 637.701.

Doch wo liegt Denpasar eigentlich, was hat die Stadt für Reisende genau zu bieten und für wen lohnt sich ein Ausflug dort hin?

Wo liegt Denpasar?

Obwohl der internationale Flughafen von Bali „Flughafen Denpasar“ genannt wird, liegt er nicht direkt in der Stadt, sondern in Kuta, eine halbe Stunde von der Hauptstadt entfernt. Sowohl der Flughafen als auch die Stadt Denpasar befinden sich im Süden der Insel Bali. Von Denpasar aus erreicht man die Touristenzentren Sanur, Seminyak, Canggu, Ubud und Uluwatu innerhalb von 20-50 Minuten. Die Strände von Sanur und die dort angrenzende Schildkröteninsel Serengan zählen sogar offiziell zum Stadtbezirk. Wer hier Urlaub macht und sich nach ein wenig Abwechslung vom entspannten Strandleben sehnt, der kann einfach 20 Minuten fahren und steht schon mitten in der pulsierenden Großstadt.

Die Stadt der Märkte

Denpasar ist eine typische Großstadt mit allem Drum und Dran. Hier findet man Universitäten, Schulen (unter anderem Kunst- und Tanzhochschulen), Einkaufszentren und zahlreiche Märkte. Die Stadt gilt seit eh und je als Handelszentrum, woher auch der Name kommt, denn „pasar“ bedeutet Markt. Hier findet man unter anderem den größten Markt Balis, den Pasar Badung: Er ist 24 Stunden am Tag geöffnet und bietet in zwei sich gegenüberliegenden Gebäuden mit jeweils 4 Stockwerken nahezu alles, was man sich vorstellen kann. Balinesen kaufen hier ihren täglichen Bedarf an frischem Obst, Gemüse, Gewürzen, Fisch und Fleisch. Außerdem werden Handwerkskunst und Stoffware angeboten.

Neben den vielen Märkten gibt es ganze Straßen, die sich jeweils auf ein Produkt spezialisiert haben. So laden zum Beispiel eine Stoffstraße, eine Juwelierstraße eine Straße, in der sich hauptsächlich Steinhändler befinden oder eine, in der sich viele Mandarinenverkäufer niedergelassen haben, zum gezielten Einkaufen ein. Außerdem gibt es in Denpasar zahlreiche Shoppingzentren.

Wer auf der Suche nach traditioneller Handwerkskunst ist, der sollte auf dem Kumbasari Market vorbeischauen. Hier findet man die für Bali typischen Holzschnitzereien, Gemälde, Silberschmuck, traditionell gewebte Batikstoffe und vieles mehr. Morgens kann man sich hier mit frischen Lebensmitteln versorgen, mittags öffnen die Kunsthändler ihre Stände und abends wandelt der Markt sich zu einem Nachtmarkt mit Essensständen, an denen man sich durch die balinesische Küche probieren kann.

Einkaufen lässt es sich also recht gut in der Hauptstadt Balis, doch es gibt natürlich noch etliche andere Dinge zu tun – beispielsweise die vielen Sehenswürdigkeiten entdecken.

Sehenswürdigkeiten in Denpasar

Der geschichtsträchtige „Taman Puputan“

Als Mittelpunkt von Denpasar gilt der quadratische, begrünte Platz namens Taman Puputan, der zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt. Er erinnert an den Kampf der Balinesen gegen die Holländer im Jahr 1906, als diese die Insel erneut versuchten zu annektieren. An diesem Platz wurde der rituelle Selbstmord („Puputan“) als Zeichen der ehrvollen Ergebung der damaligen Herrscher durchgeführt. Das Bronze-Denkmal mit drei Balinesischen Kriegern auf dem Taman Puputan erinnert an die tapferen Freiheitskämpfer, die mit Einsatz ihres Lebens versuchten, Bali zu verteidigen.

Die Catur Mukha Statue in Denpasar

Auf dem Taman Puputan steht eine riesige Statue mit vier Gesichtern und acht Armen. Sie repräsentiert Brahma, einen der Hauptgötter im Hinduismus und dient als Wächter der Himmelsrichtungen. Sie stellt auch einen guten Orientierungspunkt dar, da sie genau im Zentrum der Stadt steht.

Das Museum „Negeri Propinsi Bali“ in Denpasar

Am Platz Taman Puputan findet man auch das bedeutendste Museum Balis. Das „Negeri Propinsi Bali“ wurde im Jahr 1910 im typisch balinesischen Stil erbaut. Im Jahr 1917 wurde es bei einem Erdbeben zerstört und dient erst seit 1932 wieder als Museum. Das sogenannte Bali-Museum ist in vier traditionellen Pavillons im Herzen der Stadt untergebracht und bietet durch eine große Auswahl an kulturellen und historischen Artefakten der ganzen Insel eine informative Rundum-Einführung in die Geschichte und die Kultur Balis. Waffen, Utensilien, wertvoller Schmuck, balinesische Textilien, religiöse Artefakte, traditionelle Kostüme und Masken sowie verschiedene Kunstwerke gehören zu den Sammlungen, die im Museum ausgestellt sind.

Der Tempel „Pura Jagatnatha“ in Denpasar

Angrenzend an das Museum befindet sich der bedeutendste Tempel von Denpasar: Der Pura Jagatnatha. Er wurde 1953 erbaut und dem obersten Hindugott Sanghyang Widi gewidmet. Sein Schrein besteht aus weißen Korallen und steht auf einem Sockel, der die Form einer Schildkröte und zweier Kriechtiere hat, die Drachen oder Schlangen ähneln.
Die St. Josephskirche „Gereja Sang Yoseph“ in Denpasar

Ganz in der Nähe findet man die einzige römisch-katholische Kirche der Stadt. Im Jahr 1963 wurde sie im balinesischen Stil erbaut und nur das weiße Kreuz auf der Turmspitze deutet darauf hin, dass es sich um eine Kirche handelt. Hier werden zwei Religionen miteinander vereint und geben ein etwas skurriles, aber harmonisches Bild ab. So tragen dort beispielsweise Engel traditionelle, balinesische Sarongs.

Der Palast „Puri Pemecutan“ in Denpasar

Der ehemalige Königspalast „Puri Pemecutan“ brannte im Jahr 1906 bei der Einnahme Denpasars durch die Holländer nieder und wurde anschließend relativ schlicht wieder aufgebaut. Das tut aber der Geschichtsträchtigkeit und der Bedeutung des Bauwerks keinen Abbruch und ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Das Museum „Monumen Perjuangan Rakyat Bali“

Ebenfalls ein Denkmal für den Unabhängigkeitskampf der Balinesen gegen die Niederländer stellt das „Monumen Perjuangan Rakyat Bali“ dar. Das mehrstöckige Museum, das auch als „Bajra Sandhi Monument“ bekannt ist, bietet einen eindrucksvollen Rundumblick über einen Teil von Denpasar. Es wurde errichtet, um an die balinesischen Helden zu erinnern, die während des Krieges für die Unabhängigkeit Indonesiens gefallen sind. Hier findet man Bilder, die die Geschichte des balinesischen Lebens seit prähistorischen Zeiten darstellen, sowie mehrere Gemälde des Nationalhelden I Gusti Ngurah Rai mit seinen Truppen.

Die Tempelanlage „Pura Maospahit“ in Denpasar

Die Tempelanlage „Pura Maospahit“ wurde im 14. Jahrhundert erbaut und bei dem Erdbeben im Jahr 1917 stark beschädigt. Noch heute kann man Spuren der Beschädigung an den wieder aufgebauten Gebäudeteilen erkennen. Es stehen aber auch noch einige originale Teile, darunter zum Beispiel die Wächterstatuen im Innenhof. Dieser Tempel ist typisch für die Blütezeit der Majapahit-Periode und wurde größtenteils aus roten Ziegeln gebaut.

Das „Taman Werdhi Budaya” Kulturzentrum in Denpasar

Das „Taman Werdhi Budaya“, auch „Bali Arts Center“ genannt, ist Balis führendes Kulturzentrum. Es umfasst einen großen Ausstellungsraum, ein Kunstmuseum, eine Konzerthalle und ein Amphitheater sowie eine angrenzende Schule für darstellende Künste. Das Museum deckt die Geschichte und die Essenz der balinesischen Kunst ab, wobei Gemälde und Skulpturen die klassische und die zeitgenössische Kunst Balis darstellen. Hier findet man auch die für Bali typischen Holzschnitzereien und traditionellen Kostüme.

Außerdem wird hier Denpasars Kulturereignis des Jahres abgehalten: Das einmonatige „Bali Arts Festival“, ein Monat voller täglicher Aufführungen und Kunsthandwerksausstellungen. Gezeigt werden Tänze jedweder Art, Essens- und Opferwettbewerbe, skurrile, musikalische Darbietungen, neue Kreationen der Tanzschulen von Denpasar sowie zeitgenössische Choreographien von anderen Inseln und aus dem Ausland. Jedes Jahr wechselt der Schwerpunkt des Festivals, doch es geht stets hauptsächlich um Tanz und Musik.

„Desa Budaya Kertalangu“ (Kertalangu Cultural Village)

Das lokal betriebene „Kertalangu Cultural Village“ ist eine Gemeinde am Stadtrand von Denpasar, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die balinesische Kultur zu erhalten und weiterzugeben, damit diese nicht ausstirbt.

Das Gebiet befindet sich inmitten eines 80 Hektar großen, nachhaltigen Reisanbaugebiets und dient der Landschaftspflege, Bildung, Forschung, Erholung und der Stärkung der Gemeinschaft. Als Urlauber kann man hier in die balinesische Kultur eintauchen und ihr traditionelles Handwerk lernen. So kann man hier zum Beispiel Holzschnitzen, traditionellen balinesischen Tanzunterricht nehmen, Reiten und Malen.

Kulinarik in Denpasar

In Denpasar findet man eine große Auswahl an authentischer, balinesischer Küche und zahlreiche Warungs und kleine Garküchen bieten ihre Gerichte zu sehr niedrigen, lokalen Preisen an. Da Denpasar ein Schmelztiegel der verschiedenen Kulturen Indonesiens ist, kann man sich quer durch die indonesischen Kulinarikwelten probieren. Wer dagegen eher westliche Speisen bevorzugt, der wird in den Foodcourts der Einkaufszentren fündig.

Fazit: Für wen lohnt sich ein Ausflug nach Denpasar?

Wer Lust auf eine pulsierende Großstadt hat und mehr über die Kultur und die Geschichte Balis lernen möchte, der ist in Denpasar genau richtig. Etliche Denkmäler, historische Gebäude und Museen bieten einen Einblick in die Vergangenheit der Insel. Doch nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart kann man hier hautnah erleben, indem man sich in den Großstadt-Dschungel stürzt. Hier bekommt man einen guten Eindruck vom balinesischen Leben und dem typischen Alltag der Einwohner Denpasars.

Denpasar bietet sich sehr gut als Tagesausflug für Reisende an, die im Süden Balis sind. Wer sich nach Ruhe, Entspannung und Erholung sehnt, der ist allerdings besser im benachbarten Sanur aufgehoben. Doch für alle, die ein bisschen Abwechslung, Kultur, Geschichte und Authentizität erleben möchten, ist Denpasar eine gute Anlaufstelle.