Sehenswürdigkeiten
Landschaft auf Bali
- Fläche
- Knapp 5.800 Quadratkilometer
- Höchster Punkt
- Gunung Agung, gut 3.000 Meter
- Prägend
- Vulkankette in Ost-West-Richtung
- Weltkulturerbe
- Subak-Reisterrassen seit 2012
Bali ist kleiner, als die meisten erwarten: knapp 5.800 Quadratkilometer, ungefähr die Größe Mallorcas. Man kann die Insel an einem langen Tag von Süden nach Norden und wieder zurück durchqueren. Umso erstaunlicher ist, wie viele verschiedene Landschaften auf dieser Fläche liegen — von trockener Savanne über Nebelwald bis zu Reisterrassen, die sich über ganze Talflanken ziehen.
Der Grund für diese Vielfalt lässt sich in einem Satz sagen: Quer über die Insel läuft eine Kette von Vulkanen, und fast alles andere folgt daraus.
Das vulkanische Rückgrat
Bali gehört zum Sundabogen, jener Kette von Vulkanen, die sich über Sumatra, Java und die Kleinen Sundainseln zieht — dorthin, wo eine ozeanische Erdplatte unter die andere abtaucht. Die Vulkane Balis liegen nicht verstreut, sondern in einer Linie von Ost nach West im nördlichen Drittel der Insel.
Der höchste ist der Gunung Agung im Osten mit gut 3.000 Metern, ein aktiver Vulkan und für die Balinesen der Sitz der Götter. Sein Ausbruch von 1963 gehört zu den folgenreichsten Ereignissen der jüngeren Inselgeschichte. Weiter westlich liegt der Gunung Batur in einer weiten Caldera — dem Einbruchskessel eines viel größeren Vorgängervulkans —, in der heute der Danau Batur liegt. Noch weiter westlich stehen der Gunung Batukaru und die Berge um Munduk mit den Zwillingsseen.
Diese Kette ist der Grund, warum Bali eine so klare Nord-Süd-Teilung hat.
Warum der Norden anders aussieht als der Süden
Feuchte Luftmassen kommen über das Meer, steigen an den Bergen auf, kühlen ab und regnen sich an der Luvseite aus. Auf der abgewandten Seite kommt deutlich weniger an. Genau das passiert hier.
Der Süden ist die breite, sanft abfallende Seite mit fruchtbaren Böden aus verwitterter Vulkanasche — hier liegen die großen Reisanbaugebiete, hier leben die meisten Menschen, hier ist es grün. Der Norden dagegen fällt steil und schmal zum Meer ab: zwischen Bergfuß und Küste bleibt oft nur ein schmaler Streifen. Und der Nordwesten ist so trocken, dass dort Savanne wächst — nachzusehen im Nationalpark Bali Barat, wo einzelne Bäume in dürrem Gras stehen und nichts mehr an eine tropische Insel erinnert.
Mehr dazu, wann es wo regnet, steht auf der Seite zum Klima und zur Regenzeit.
Die Reisterrassen und das Subak-System
Das bekannteste Landschaftsbild Balis ist von Menschen gemacht. Die Reisterrassen sind über Jahrhunderte in die Hänge geschnitten worden, und sie funktionieren nur, weil das Wasser von oben nach unten sauber verteilt wird.
Genau das leistet das Subak — eine Bewässerungsgenossenschaft, in der die Bauern eines Talabschnitts gemeinsam entscheiden, wer wann wie viel Wasser bekommt. Das ist keine reine Verwaltungsfrage: Die Subak-Versammlungen sind an Wassertempel gebunden, und die Verteilung folgt religiösen wie praktischen Regeln zugleich. Die UNESCO hat diese Kulturlandschaft 2012 zum Welterbe erklärt.
Am eindrucksvollsten zu sehen ist das in Jatiluwih am Fuß des Batukaru, wo die Terrassen sich über weite Hänge ziehen, oder — kleiner, näher an Ubud und deutlich voller — in Tegalalang.
Schluchten, Flüsse und Wasserfälle
Von den Vulkanen laufen zahlreiche Flüsse nach Süden und haben sich dabei tief in das weiche Vulkangestein geschnitten. Das Ergebnis sind enge, bewaldete Schluchten, oft nur wenige Kilometer von belebten Orten entfernt und doch völlig für sich.
Aus diesen Geländestufen entstehen die Wasserfälle, für die vor allem der Norden und der Osten bekannt sind — Sekumpul, Aling-Aling, Munduk. Dieselben Flüsse sind auch der Grund, warum Rafting und Canyoning auf Bali funktionieren.
Die Bukit — eine Insel für sich
Ganz im Süden hängt an Bali eine Halbinsel, die geologisch nicht dazugehört: die Bukit. Sie besteht nicht aus Vulkangestein, sondern aus gehobenem Kalk — ein alter Korallenkörper. Deshalb sieht sie völlig anders aus: trocken, mit karger Vegetation, ohne Reisfelder, dafür mit senkrechten weißen Klippen über dem Ozean.
Genau diese Klippen machen die Gegend aus. Auf einer davon steht der Pura Luhur Uluwatu, darunter liegen Strände, zu denen man Treppen hinabsteigen muss — Padang Padang, Dreamland, Green Bowl.
Warum der Sand mal schwarz und mal hell ist
Die Strände Balis unterscheiden sich stark in der Farbe, und auch das ist Geologie. Wo der Sand aus verwittertem Vulkangestein besteht — im Norden und Osten, etwa bei Amed oder Lovina —, ist er dunkelgrau bis schwarz und wird in der Sonne heiß. Wo er aus zerriebenem Korallenkalk stammt, wie im Süden und auf der Bukit, ist er hell.
Der Blick nach Osten: die Wallace-Linie
Zwischen Bali und Lombok verläuft die Lombokstraße, ein tiefer und stark durchströmter Meeresarm. Er markiert zugleich die Wallace-Linie — jene Grenze, an der die asiatische Tier- und Pflanzenwelt endet und die australische beginnt. Bali liegt noch auf der asiatischen Seite.
Praktisch spürbar wird das unter Wasser: Der ständige Wasseraustausch durch die Meerenge bringt Nährstoffe und sorgt für eine außergewöhnliche Artenvielfalt — der Grund, warum das Tauchen rund um Bali und die Nusa-Inseln so ergiebig ist.
Fazit
Wer Bali versteht, versteht zuerst die Vulkane. Sie bestimmen, wo es regnet und wo nicht, wo Reis wächst und wo Savanne, welche Farbe der Sand hat und warum der Norden so viel weniger besucht wird als der Süden.
Und sie sind der Grund, warum eine Insel von der Größe Mallorcas sich anfühlt, als wären mehrere darin untergebracht.