Sehenswürdigkeiten

Pura Luhur Uluwatu

Balinesischer Tempel mit gestuften Meru-Dächern
Lage
Südwestspitze der Bukit-Halbinsel
Höhe der Klippe
Rund 70 Meter
Rang
Einer der sechs Sad Kahyangan
Kecak-Tanz
Täglich zum Sonnenuntergang

Von allen Tempeln Balis hat kaum einer eine Lage wie dieser. Der Pura Luhur Uluwatu steht an der Südwestspitze der Bukit-Halbinsel auf einer Klippe, die rund siebzig Meter senkrecht ins Meer abfällt. Unten bricht die Dünung des Indischen Ozeans gegen den Fels, oben stehen die geschwungenen Mauern und die typischen mehrstöckigen Dächer gegen den offenen Himmel. Wer nur einen einzigen Tempel auf Bali besuchen will, kommt an diesem schwer vorbei.

„Ulu“ bedeutet im Balinesischen Spitze oder Kopf, „watu“ Stein. Der Name beschreibt also schlicht, wo der Tempel steht — auf dem steinernen Kopf der Insel.

Wo liegt der Pura Luhur Uluwatu?

Der Tempel liegt im Süden Balis, am äußersten Ende der Bukit-Halbinsel bei Pecatu. Von Kuta oder vom Flughafen aus sind es je nach Verkehr etwa 45 Minuten bis gut eine Stunde mit dem Auto, von Ubud eher zwei.

Die Zeitangabe ist mit Vorsicht zu genießen: Der Süden Balis ist verkehrsreich, und gerade am späten Nachmittag, wenn alle zum Sonnenuntergang wollen, staut es sich auf der Zufahrt spürbar. Wer die Aufführung am Abend sehen möchte, sollte deutlich mehr Zeit einplanen als die reine Fahrzeit vermuten lässt.

Der Besuch lässt sich gut mit anderen Zielen der Halbinsel verbinden — mit den Stränden Padang Padang, Dreamland und Nyang Nyang etwa, oder mit dem Garuda Wisnu Kencana Cultural Park auf dem Weg dorthin.

Einer der sechs Sad Kahyangan

Der Pura Luhur Uluwatu zählt zu den Sad Kahyangan, den sechs Haupttempeln Balis, die nach balinesischem Glauben die spirituellen Angelpunkte der Insel bilden. Zu ihnen gehören unter anderem auch der Pura Besakih am Gunung Agung und der Fledermaustempel Pura Goa Lawah im Osten.

Diese Stellung erklärt, warum der Tempel trotz des Besucherandrangs ein aktiver Ort religiöser Praxis geblieben ist. Der innere Bereich, der Jeroan, ist Gläubigen vorbehalten. Besucher bewegen sich auf dem Klippenweg außen herum — was landschaftlich ohnehin der eindrucksvollere Teil ist.

Die Legende um Dang Hyang Nirartha

Die Ursprünge des Tempels reichen weit zurück; die Anlage in ihrer heutigen Form wird meist dem Priester Dang Hyang Nirartha zugeschrieben, der im 16. Jahrhundert von Java nach Bali kam und die balinesische Religion maßgeblich prägte.

Der Überlieferung nach wählte Nirartha diesen Ort für das Ende seines irdischen Weges. Er soll hier moksha erlangt haben — die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten — und dabei als Lichterscheinung in den Himmel aufgestiegen sein. Für gläubige Balinesen ist der Pura Luhur Uluwatu deshalb nicht nur ein Tempel mit schöner Aussicht, sondern ein Ort, an dem etwas geschehen ist.

Der Kecak-Tanz zum Sonnenuntergang

Neben dem Tempel liegt ein Amphitheater in den Hang gebaut, offen zum Meer hin. Dort wird täglich zum Sonnenuntergang der Kecak-Tanz aufgeführt — jene Form, bei der kein Gamelan-Orchester spielt, sondern ein Chor von Männern im Kreis den Rhythmus mit „cak-cak-cak“ selbst erzeugt.

Erzählt wird eine Episode aus dem Ramayana: die Entführung Sitas und ihre Befreiung durch den Affengeneral Hanuman. Dass die Sonne währenddessen hinter der Bühne im Ozean versinkt, ist einkalkuliert und wirkt trotzdem.

Die Affen — und was sie wirklich tun

Um den Tempel lebt eine Kolonie von Langschwanzmakaken, und sie sind der Grund, warum der Besuch für manche Gäste unschön endet. Diese Tiere sind an Menschen gewöhnt und ausgesprochen geschickt. Sie nehmen Sonnenbrillen vom Kopf, Handys aus der Hand, Kappen, Wasserflaschen, Kopfhörer.

Das ist kein Zufall, sondern erlerntes Verhalten: Vielerorts geben die Affen den Gegenstand gegen Futter wieder heraus, und sie haben begriffen, dass sich der Handel lohnt. Was hilft, ist Vorsorge — Brille abnehmen und wegstecken, Handy in die verschlossene Tasche, nichts Glänzendes offen tragen, kein Essen sichtbar mitführen. Wer trotzdem etwas verliert, sollte nicht hinterherlaufen; das Personal vor Ort kennt die Situation und regelt sie meist routiniert.

Kleiderordnung

Wie an jedem balinesischen Tempel gilt eine Kleiderordnung: Sarong und Schärpe sind Pflicht, unabhängig davon, wie lang die eigene Hose ist. Beides wird am Eingang gegen Gebühr ausgeliehen oder ist im Eintritt enthalten — wer einen eigenen Sarong dabei hat, spart sich die Warteschlange.

Schultern bedecken, keine allzu freizügige Kleidung. Und wie überall auf Bali gilt: Wer eine Zeremonie antrifft, tritt zur Seite und fotografiert nicht von vorn in den Ablauf hinein.

Wann sich der Besuch am meisten lohnt

Der Sonnenuntergang ist die eindrucksvollste, aber auch die vollste Zeit. Wer die Anlage in Ruhe sehen will, kommt am Vormittag — dann steht die Sonne günstig für Fotos der Klippe von Norden, es ist deutlich leerer, und die Hitze auf dem schattenlosen Klippenweg hält sich noch in Grenzen.

Beides zusammen geht auch: vormittags den Tempel, nachmittags einer der Strände der Bukit, abends zurück zum Kecak.

Fazit — lohnt sich der Pura Luhur Uluwatu?

Ja, und zwar auch dann, wenn man Tempel eigentlich schon genug gesehen hat. Der Reiz liegt hier weniger in der Architektur als in der Lage: eine Steilküste, ein offener Ozean, und ein Bauwerk, das seit Jahrhunderten genau dort steht, wo die Insel aufhört.

Wer den Andrang scheut, kommt früh. Wer den Kecak sehen will, nimmt ihn in Kauf. Und wer eine Sonnenbrille trägt, nimmt sie vorher ab.