Reiseinformationen

Sprache auf Bali

Straßenszene auf Bali
Amtssprache
Bahasa Indonesia
Sprache des Alltags
Balinesisch (Basa Bali)
Sprecher des Balinesischen
Rund drei Millionen
Englisch
Im Süden verbreitet, im Norden seltener

Auf Bali werden zwei Sprachen nebeneinander gesprochen. Amtssprache ist Bahasa Indonesia — sie gilt im ganzen Land, wird in der Schule unterrichtet und steht auf jedem Formular. Untereinander sprechen die Balinesen dagegen Balinesisch, ihre eigene Sprache, die mit dem Indonesischen zwar verwandt, aber nicht dasselbe ist.

Für Reisende heißt das: Wer ein paar Brocken lernen will, lernt Bahasa Indonesia. Es ist einfacher, wird überall verstanden und funktioniert auch auf Java oder Lombok. Wer mit einem einzigen balinesischen Wort ankommt, erntet trotzdem ein Lächeln.

Bahasa Indonesia — die Amtssprache

Bahasa Indonesia ist eine standardisierte Form des Malaiischen und wurde nach der Unabhängigkeit zur Staatssprache erhoben. Das war eine politische Entscheidung mit Bedacht: In einem Land mit mehreren hundert Sprachen wäre es heikel gewesen, die Sprache der größten Volksgruppe zur Landessprache zu machen. Malaiisch war dagegen seit Jahrhunderten die Handelssprache des Archipels und gehörte niemandem allein.

Für Lernende ist das ein Glücksfall. Bahasa Indonesia gilt als eine der zugänglichsten Sprachen überhaupt:

  • Keine Konjugation. Verben verändern sich nicht — nicht nach Person, nicht nach Zeit. „Saya makan“ heißt ich esse, ich aß und ich werde essen; die Zeit ergibt sich aus dem Zusammenhang oder einem zusätzlichen Wort.
  • Keine Artikel, kein Geschlecht. Es gibt weder der, die, das noch männlich und weiblich.
  • Der Plural durch Wiederholung. Aus „anak“ (Kind) wird „anak-anak“ (Kinder). Wo die Zahl ohnehin klar ist, spart man sich auch das.
  • Geschrieben wie gesprochen. Lateinische Schrift, und fast jeder Buchstabe klingt immer gleich.

Balinesisch — die Sprache des Alltags

Basa Bali gehört wie das Indonesische zur austronesischen Familie, ist aber eine eigene Sprache mit eigenem Wortschatz. Rund drei Millionen Menschen sprechen sie, fast alle auf Bali selbst — bei gut vier Millionen Einwohnern der Insel, denn ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist aus Java, Lombok oder Madura zugezogen.

Man hört sie zu Hause, im Dorf, auf dem Markt, bei Zeremonien. Im Hotel, im Restaurant und gegenüber Fremden wird dagegen Indonesisch gesprochen — schon deshalb, weil das Gegenüber es sicher versteht.

Die Höflichkeitsebenen

Hier wird es interessant, und hier hört die Vergleichbarkeit mit dem Deutschen auf. Balinesisch kennt verschiedene Sprachebenen, und welche man benutzt, hängt davon ab, mit wem man spricht. Üblicherweise werden drei unterschieden:

  • Basa Alus — die feine Ebene. Gegenüber Höhergestellten, Priestern, älteren Menschen und bei religiösen Anlässen.
  • Basa Madia — die mittlere Ebene. Wenn man das Verhältnis noch nicht einschätzen kann oder es zwischen den anderen beiden liegt.
  • Basa Kasar — die gewöhnliche Ebene. Unter Gleichrangigen, in der Familie, unter Freunden.

Es geht dabei nicht um Höflichkeitsformeln wie unser „Sie“, sondern um andere Wörter für dieselbe Sache. Essen, schlafen, gehen, sogar Körperteile haben je nach Ebene einen anderen Namen.

Das hat einen unbequemen Hintergrund: Die Ebenen sind historisch an das Kastensystem geknüpft. Wer welche Ebene benutzt, war lange eine Frage der Geburt. Heute verschiebt sich das — jüngere Balinesen weichen im Zweifel aufs Indonesische aus, gerade weil man damit niemandem zu nahe tritt.

Verwandt damit ist übrigens, warum so viele Balinesen Wayan, Made, Nyoman oder Ketut heißen: Auch die Namen folgen einer Ordnung. Mehr dazu unter balinesische Namen.

Die balinesische Schrift

Balinesisch hat eine eigene Schrift, die Aksara Bali, mit runden, geschwungenen Zeichen indischen Ursprungs. Sie wurde traditionell mit einem Messer in getrocknete Palmblätter geritzt — die Lontar-Handschriften, in denen religiöse Texte und Chroniken überliefert sind.

Im Alltag schreibt heute praktisch jeder lateinisch. Sichtbar bleibt die alte Schrift trotzdem: An Straßen- und Amtsschildern steht der Name meist zweimal, einmal lateinisch und einmal in Aksara Bali.

Kommt man mit Englisch durch?

Im touristischen Süden: ja, meistens. In Kuta, Seminyak, Canggu und Ubud arbeitet fast jeder im Tourismus und spricht so viel Englisch, wie der Job verlangt — im Hotel und im Restaurant oft flüssig, beim Rollerverleih eher knapp.

Anders sieht es abseits davon aus. Im Norden um Lovina, im Westen bei Gilimanuk oder in den Bergdörfern trifft man regelmäßig auf Menschen, die kaum Englisch sprechen. Dort helfen Hände, ein Übersetzungsprogramm und ein paar Wörter Indonesisch mehr als jede Erwartung.

Deutsch ist selten. Vereinzelt gibt es deutschsprachiges Personal in Hotels oder Tauchbasen, verlassen sollte man sich darauf nicht.

Aussprache: die eine Regel, die wirklich hilft

Indonesisch wird gelesen, wie es dasteht — mit einer Ausnahme, die immer wieder für Verwirrung sorgt:

Sonst gilt: Jeder Vokal wird einzeln gesprochen, das „r“ wird gerollt, und die Betonung liegt meist auf der vorletzten Silbe.

Wörter, die weiterhelfen

Bahasa Indonesia, also überall auf Bali verständlich:

IndonesischDeutsch
Selamat pagiGuten Morgen (bis etwa elf Uhr)
Selamat siangGuten Tag (Mittag bis Nachmittag)
Selamat soreGuten Abend (später Nachmittag)
Selamat malamGuten Abend, gute Nacht
Terima kasihDanke
Sama-samaGern geschehen
PermisiEntschuldigung (im Vorbeigehen)
MaafEntschuldigung (für einen Fehler)
Ya / TidakJa / Nein
Berapa harganya?Was kostet das?
Di mana …?Wo ist …?
Tidak apa-apaKein Problem, schon gut
EnakLecker

Und drei balinesische Wörter, mit denen man Freude macht:

BalinesischDeutsch
Om SwastiastuBegrüßung, wörtlich ein Segenswunsch
SuksmaDanke
Matur suksmaVielen Dank (höflicher)

„Om Swastiastu“ steht am Anfang jeder Rede und jeder Ansprache auf Bali. Wer es zur Begrüßung benutzt, sagt damit nicht nur Hallo, sondern zeigt, dass er weiß, wo er ist.

Fazit

Zwei Sprachen, eine Antwort: Amtssprache ist Bahasa Indonesia, gesprochen wird untereinander Balinesisch. Lernen sollte man das Erste — es ist leicht, es wird überall verstanden, und schon zwanzig Wörter verändern spürbar, wie man einem begegnet.

Und wer sich nur eines merken will: Terima kasih. Danke.