Aktivitäten
Tauchen im Norden Balis
- Hauptreviere
- Menjangan, Pemuteran, Secret Bay
- Beste Zeit
- April bis Oktober
- Strömung
- Meist gering — auch für Einsteiger
- Standort
- Pemuteran oder Lovina
Wer auf Bali taucht, denkt meist zuerst an Nusa Penida mit seinen Mantas und Mondfischen oder an das Wrack im Osten. Der Norden und Nordwesten steht seltener auf der Liste — zu Unrecht, denn er bietet etwas, das die anderen Reviere nicht haben: ruhiges Wasser.
Während im Süden und Osten kräftige Strömungen durch die Meerengen laufen, liegt die Nordküste geschützt zur Bali-See hin. Das macht die Region zum entspanntesten Tauchgebiet der Insel — gut für Einsteiger, gut für Fotografen, und gut für alle, die nicht jeden Tauchgang gegen das Wasser antreten wollen.
Die drei Reviere im Überblick
Der Nordwesten hat drei sehr unterschiedliche Gesichter, und sie liegen dicht beieinander.
Menjangan — Steilwände und Sicht
Pulau Menjangan ist der bekannteste Spot der Region und für viele der schönste Balis. Die kleine, unbewohnte Insel gehört zum Nationalpark Bali Barat und ist entsprechend geschützt.
Was sie ausmacht, sind die Wände: Das Riff fällt rund um die Insel steil ab, teils senkrecht, und ist dicht mit Weichkorallen, Gorgonien und Schwämmen bewachsen. Die Sichtweiten gehören zu den besten der Insel und erreichen bei guten Bedingungen dreißig Meter und mehr. Die Strömung ist meist schwach.
Getaucht wird vom Boot; die Überfahrt ab Labuhan Lalang dauert etwa eine halbe Stunde. Weil das Riff schon in geringer Tiefe beginnt, ist Menjangan auch zum Schnorcheln hervorragend — ein Vorteil für gemischte Gruppen, in denen nicht alle tauchen.
Pemuteran — ein Riff, das zurückgebaut wurde
Vor Pemuteran liegt eines der ungewöhnlichsten Tauchziele Indonesiens. Das Riff dort war Ende der 1990er-Jahre schwer geschädigt — durch Dynamit- und Zyanidfischerei sowie durch eine Korallenbleiche.
Statt es aufzugeben, hat man dort in einem der weltweit größten Projekte dieser Art angefangen, Stahlkonstruktionen im Flachwasser zu versenken und unter schwachen Gleichstrom zu setzen. An diesen Gerüsten lagert sich Kalk ab, Korallenfragmente wachsen darauf schneller an. Das Verfahren heißt Biorock, und das Ergebnis ist heute ein bewachsenes, belebtes Riff, das aussieht wie ein versunkener Skulpturengarten: Kuppeln, Bögen, Figuren, alles überzogen von Korallen und umschwärmt von Fischen.
Die Spots liegen flach und direkt vor dem Ort, viele sind vom Strand aus erreichbar. Das macht Pemuteran zum idealen Platz für Tauchkurse, Nachttauchgänge und für alle, denen lange Bootsfahrten unangenehm sind.
Secret Bay — Muck Diving für Liebhaber
Ganz im Westen, bei Gilimanuk nahe dem Fährhafen nach Java, liegt eine flache Bucht mit dunklem, schlammigem Grund. Wer dort zum ersten Mal hineinschaut, fragt sich, was das soll: kaum Korallen, trübes Wasser, wenig Tiefe.
Genau darin liegt der Reiz. Secret Bay ist einer der bekanntesten Muck-Diving-Plätze Balis — ein Revier für Makrofotografie und für Tiere, die sonst kaum jemand zu sehen bekommt. Geisterpfeifenfische, Anglerfische, Seenadeln, Schlangenaale, seltene Nacktschnecken, Zwerg-Seepferdchen.
Zwei Einschränkungen: Das Wasser ist hier spürbar kühler als sonst auf Bali, und die Tauchgänge sind langsam und detailversessen. Wer große Fische sehen will, ist falsch. Wer eine Kamera dabeihat, bleibt stundenlang.
Beste Reisezeit
Getaucht wird ganzjährig, die besseren Bedingungen liegen aber in der Trockenzeit von etwa April bis Oktober. Dann ist die Sicht am klarsten und der Seegang am geringsten.
In der Regenzeit trüben Süßwassereinträge das Wasser vor der Küste, und die Anfahrt über die Bergstraßen kann bei starkem Regen mühsam werden. Menjangan ist davon weniger betroffen als die küstennahen Spots.
Die Wassertemperatur liegt an der Nordküste meist zwischen 26 und 29 Grad — in Secret Bay auch mehrere Grad darunter. Ein Fünf-Millimeter-Anzug ist dort keine Übertreibung.
Anreise und Standort
Der Nordwesten liegt weit ab vom Süden Balis. Von Kuta oder Ubud fährt man je nach Route vier Stunden und mehr — als Tagesausflug ist das keine gute Idee, weil man die halbe Nacht im Auto verbringt.
Sinnvoll ist ein Standort vor Ort. Pemuteran ist die naheliegende Wahl: ein ruhiger Küstenort mit mehreren Tauchbasen, Unterkünften in allen Preislagen und kurzen Wegen zu allen drei Revieren. Alternativ bietet sich Lovina an, rund zwei Stunden östlich, mit etwas mehr Betrieb.
Für wen sich der Norden eignet
Für Einsteiger. Geringe Strömung, flache Einstiege, ruhiges Wasser — die Bedingungen sind deutlich freundlicher als bei Nusa Penida, wo Strömungstauchen die Regel ist. Ein Einsteigerkurs lässt sich hier gut absolvieren.
Für Fotografen. Menjangan liefert Weitwinkel, Secret Bay liefert Makro, Pemuteran liefert beides. Selten liegt das so dicht beieinander.
Für gemischte Gruppen. Weil viele Spots flach beginnen, können Schnorchler dieselben Ausfahrten mitmachen.
Wer allerdings auf große Begegnungen aus ist — Mantas, Haie, Mondfisch —, ist im Süden bei den Nusa-Inseln besser aufgehoben. Der Norden ist ein Revier der kleinen Dinge und der ruhigen Tauchgänge.
Fazit
Der Norden ist Balis unterschätztes Tauchgebiet. Er verlangt eine lange Anfahrt und belohnt sie mit klarem, ruhigem Wasser, einer der besten Riffwände der Insel und einem künstlichen Riff, das zeigt, dass sich kaputte Korallen zurückholen lassen.
Wer ohnehin in den Westen fährt — zum Nationalpark oder zur Java-Fähre —, sollte die Tauchausrüstung mitnehmen.