Sehenswürdigkeiten
Nationalpark Bali Barat
- Lage
- Nordwesten, Bezirke Buleleng und Jembrana
- Zugänge
- Cekik und Labuhan Lalang
- Besonderheit
- Letztes Rückzugsgebiet des Balistars
- Wanderungen
- Nur mit Guide des Parks
Wer Bali für eine durchgehend grüne Insel aus Reisterrassen und Regenwald hält, wird im Nordwesten überrascht. Der Nationalpark Bali Barat — auf Indonesisch Taman Nasional Bali Barat — schützt eine Landschaft, die mit dem Bild vom tropischen Paradies wenig zu tun hat: trockene Savanne mit einzeln stehenden Bäumen, dorniges Buschland, saisonaler Monsunwald. Es ist der einzige Nationalpark der Insel und ihr größtes zusammenhängendes Schutzgebiet.
Dass es hier so anders aussieht als im Süden, hat einen einfachen Grund: Die Vulkankette hält die feuchten Luftmassen zurück. Was im Osten als Regen niedergeht, kommt im Westen kaum noch an.
Wo liegt der Nationalpark?
Der Park liegt in der äußersten Nordwestecke Balis und erstreckt sich über Teile der Bezirke Buleleng und Jembrana. Zum Schutzgebiet gehört nicht nur Land, sondern auch ein Meeresteil — darunter die vorgelagerte Insel Pulau Menjangan, eines der bekanntesten Tauch- und Schnorchelreviere Balis.
Es gibt zwei übliche Zugänge. Im Süden liegt Cekik nahe dem Fährhafen Gilimanuk, von dem die Fähren nach Java ablegen; dort befindet sich auch die Parkverwaltung. Im Norden liegt Labuhan Lalang an der Küstenstraße — von hier fahren die Boote nach Menjangan ab, und hier steigen die meisten Besucher ein.
Als Standort bietet sich Pemuteran an, ein ruhiger Küstenort östlich des Parks mit Tauchbasen und Unterkünften. Von Lovina sind es etwa zwei Stunden, aus dem Süden der Insel deutlich mehr — die Fahrt von Kuta oder Ubud dauert je nach Route vier Stunden und länger. Der Park ist kein Tagesausflug aus dem Süden.
Der Balistar — Balis einziger endemischer Vogel
Das Wappentier des Parks ist der Balistar, auch Bali-Mynah oder Rothschildstar genannt: ein schneeweißer Vogel mit schwarzen Flügelspitzen und einer auffälligen blauen Hautpartie um das Auge. Er kommt weltweit nur auf Bali vor, und praktisch nur noch hier.
Seine Geschichte ist eine der bekanntesten Naturschutzgeschichten Indonesiens — und keine schöne. Genau das Aussehen, das ihn so auffällig macht, machte ihn für den illegalen Vogelhandel wertvoll. Der Wildbestand fiel auf eine Zahl, die sich an zwei Händen abzählen ließ. Seither wird nachgezüchtet und ausgewildert, mit Rückschlägen: Auch aus Zuchtstationen wurden Vögel gestohlen.
Wer den Balistar sehen will, braucht Geduld, Fernglas und einen Guide, der weiß, wo gerade etwas zu holen ist. Garantiert ist eine Sichtung nicht.
Was es sonst zu sehen gibt
Neben dem Balistar leben im Park unter anderem Javaneraffen, Mähnenhirsche, Wildschweine, Schuppentiere und eine große Zahl weiterer Vogelarten. Die Küstenabschnitte tragen Mangrovenwälder, vorgelagert liegen Korallenriffe.
Ein Tier fehlt: der Balitiger. Die Unterart gilt seit den 1930er-Jahren als ausgestorben, die letzten gesicherten Nachweise stammen aus dem Westen der Insel — also genau von hier. Der Park schützt heute unter anderem den Lebensraum, den es damals nicht mehr rechtzeitig zu schützen gab.
Wandern im Park
Wanderungen im Landteil sind nur in Begleitung eines Guides des Parks erlaubt. Das ist keine Schikane: Die Wege sind teils schlecht markiert, die Vegetation ist dicht, und ohne ortskundige Begleitung sieht man von der Tierwelt praktisch nichts.
Die Touren werden bei der Verwaltung in Cekik oder am Posten in Labuhan Lalang gebucht und reichen von kurzen Rundwegen von ein bis zwei Stunden bis zu Ganztagestouren. Vogelbeobachtung lohnt sich früh am Morgen, wenn es kühl ist und die Tiere aktiv sind.
Der Meeresteil: Menjangan
Für viele Besucher ist der eigentliche Grund für die Anreise nicht der Wald, sondern das Wasser. Pulau Menjangan liegt wenige Kilometer vor der Küste und ist für steil abfallende Riffwände, klares Wasser und geringe Strömung bekannt — ein Revier, das auch Schnorchlern viel bietet und nicht nur erfahrenen Tauchern.
Die Boote starten in Labuhan Lalang. Die Überfahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Auf der Insel steht zudem ein kleiner Hindutempel, und es leben Hirsche dort — „menjangan“ heißt Hirsch.
Beste Reisezeit
Der trockene Westen ist ganzjährig zugänglich, angenehmer aber in der Trockenzeit zwischen etwa April und Oktober. In der Regenzeit werden manche Pfade schlammig, und die Sicht unter Wasser lässt nach. Für die Tierbeobachtung gilt unabhängig davon: früh aufstehen.
Fazit — lohnt sich der Nationalpark Bali Barat?
Für einen Zwischenstopp auf dem Weg irgendwohin lohnt er sich nicht — dafür liegt er zu weit ab. Wer aber ohnehin in den Nordwesten fährt, zum Tauchen bei Menjangan oder auf dem Weg zur Java-Fähre, findet hier eine Seite Balis, die im Süden vollständig fehlt: karg, weit und still.
Und die Aussicht, einen Vogel zu sehen, den es sonst nirgendwo auf der Welt gibt.