Reiseinformationen
Religion auf Bali
- Vorherrschend
- Agama Hindu Dharma
- Anteil
- Rund 86 Prozent der Balinesen
- Zweitgrößte Gruppe
- Muslime, etwa ein Zehntel
- Tempelfest
- Odalan, alle 210 Tage
Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt. Bali ist die Ausnahme darin: Hier sind rund 86 Prozent der Menschen Hindus. Diese Sonderstellung ist der Grund, warum die Insel sich so deutlich vom Rest des Landes unterscheidet — im Straßenbild, im Kalender, im Klang.
Und anders als in Europa, wo Religion für viele eine Sache bestimmter Tage ist, begegnet man ihr hier ununterbrochen. Auf dem Gehweg, an der Hotelrezeption, auf dem Armaturenbrett des Taxis liegen kleine Blätterschälchen mit Blüten. Aus Hinterhöfen klingt Gamelan. Straßen sind gesperrt, weil eine Prozession vorbeizieht.
Agama Hindu Dharma — nicht ganz der Hinduismus Indiens
Die balinesische Religion heißt Agama Hindu Dharma. Sie ist aus Indien gekommen, hat sich hier aber mit älteren Vorstellungen verbunden: mit Ahnenverehrung, mit Animismus, mit dem Glauben an Geister, die an Orte gebunden sind. Herausgekommen ist etwas Eigenes.
Im Zentrum steht Sang Hyang Widhi Wasa, das eine göttliche Prinzip. Die bekannten Götter Brahma, Wischnu und Shiva — die Trimurti — gelten als seine Erscheinungsformen: Schöpfung, Erhaltung, Auflösung. Dass es eine höchste Einheit gibt, ist auch staatspolitisch bedeutsam: Die indonesische Staatsdoktrin Pancasila verlangt das Bekenntnis zu einem einzigen Gott, und die balinesische Auslegung erfüllt das.
Daneben stehen Ahnen, Ortsgeister und Dämonen. Gut und Böse sind dabei keine Gegensätze, die man auflösen müsste, sondern Kräfte, die im Gleichgewicht zu halten sind. Das erklärt manches, was Besuchern zunächst rätselhaft vorkommt — etwa dass Opfergaben nicht nur nach oben gehen, sondern auch nach unten, auf den Boden, für die Wesen der Unterwelt.
Tri Hita Karana: das Ordnungsprinzip dahinter
Kaum ein Begriff erklärt Bali so gut wie dieser. Tri Hita Karana benennt drei Beziehungen, die im Lot sein müssen, damit es einem Menschen gut geht: die zu den Göttern, die zu den Mitmenschen und die zur Natur.
Das ist keine Theorie. Es steckt im Grundriss balinesischer Häuser, in der Ausrichtung von Tempeln — bergwärts heilig, meerwärts unrein —, in der Wasserverteilung der Reisbauern und darin, wie ein Dorf organisiert ist. Wer Bali „spirituell“ nennt, meint meist das: dass Religion hier nicht neben dem Alltag steht, sondern seine Struktur ist.
Canang Sari — die Schälchen überall
Die kleinen quadratischen Körbchen aus Palmblatt heißen Canang Sari. Darin liegen Blüten, oft in bestimmten Farben und Himmelsrichtungen angeordnet, dazu Reis, manchmal ein Stück Gebäck, eine Zigarette, ein Bonbon; obenauf brennt ein Räucherstäbchen.
Sie werden mehrmals täglich neu gelegt — vor Läden, an Kreuzungen, an Bäumen, an Hauseingängen, an Motorrollern. Die Gabe selbst ist dabei weniger wichtig als die Handlung: Es ist ein Dank, kein Bittgesuch.
Odalan und der 210-Tage-Kalender
Jeder Tempel hat einen Geburtstag, das Odalan. Gefeiert wird es nicht jährlich, sondern alle 210 Tage — das ist die Länge des Pawukon, des balinesischen Kalenders, der parallel zum gregorianischen läuft.
Da es auf Bali sehr viele Tempel gibt — die Schätzungen reichen weit über 20.000 —, finden praktisch ständig irgendwo Zeremonien statt. Die Wahrscheinlichkeit, während einer Reise auf eine zu treffen, ist hoch.
Die beiden bekanntesten Feste im selben Zyklus sind Galungan und Kuningan. Zu Galungan kehren die Ahnen für einige Tage auf die Erde zurück; die Straßen säumen dann hohe, gebogene Bambusstangen mit geflochtenem Schmuck, die Penjor. Zehn Tage später, zu Kuningan, werden sie verabschiedet.
Nyepi — der Tag, an dem die Insel stillsteht
Das balinesische Neujahr nach dem Saka-Kalender ist kein Fest, sondern das Gegenteil: ein Tag völliger Stille. An Nyepi bleibt die Insel geschlossen. Niemand arbeitet, niemand reist, es wird kein Licht gemacht, kein Feuer entzündet, kein Lärm erzeugt. Der Flughafen stellt für 24 Stunden den Betrieb ein — der einzige Flughafen der Welt, der das jährlich aus religiösen Gründen tut.
Auch für Reisende gilt das ohne Ausnahme. Man bleibt im Hotel, geht nicht auf die Straße, und abends bleiben die Vorhänge geschlossen. Die Idee dahinter: Böse Geister sollen die Insel für unbewohnt halten und weiterziehen.
Am Abend zuvor ist es genau umgekehrt. Dann ziehen die Ogoh-Ogoh durch die Orte — riesige, oft grotesk gestaltete Dämonenfiguren aus Bambus und Papier, die von jungen Männern getragen, geschüttelt und am Ende verbrannt werden.
Die muslimische Minderheit
Bali ist nicht ausschließlich hinduistisch. Etwa jeder zehnte Einwohner ist Muslim, dazu kommen christliche und buddhistische Minderheiten.
Die muslimische Bevölkerung konzentriert sich im Westen der Insel — rund um den Fährhafen Gilimanuk, über den die Verbindung nach Java läuft — sowie in Denpasar und in einzelnen Küstenorten im Norden. Viele Familien leben seit Generationen hier, andere sind als Arbeitsmigranten von Java, Lombok oder Madura gekommen. In diesen Gegenden stehen Moscheen neben Tempeln, und der Gebetsruf gehört zum Ortsbild.
Das Zusammenleben gilt überwiegend als unaufgeregt, auch wenn die Anschläge von 2002 und 2005 eine Zäsur waren. Für Reisende hat das kaum praktische Folgen — außer, dass „Bali ist hinduistisch“ eine Verkürzung ist.
Was das für Reisende praktisch bedeutet
Am wichtigsten ist die Kleiderordnung an Tempeln: Sarong und Schärpe sind Pflicht, Schultern bedeckt. Beides gibt es an fast jedem Eingang zu leihen. Wer menstruiert, betritt nach balinesischem Verständnis keinen Tempel — darauf weisen Schilder hin, kontrolliert wird es nicht.
Trifft man auf eine Zeremonie, gilt: nicht hindurchgehen, nicht von vorn in den Ablauf hineinfotografieren, nicht höher stehen als ein Priester. Und wenn eine Prozession die Straße blockiert, wartet man. Alles Weitere steht auf der Seite zu den Benimmregeln.
Wer sich fragt, warum so viele Balinesen Wayan, Made, Nyoman oder Ketut heißen: Auch das hängt mit der religiösen Ordnung zusammen — nachzulesen unter balinesische Namen.
Fazit
Die Religion ist auf Bali nicht die Sehenswürdigkeit neben den Stränden, sondern das, was die Insel zusammenhält. Man muss nichts davon glauben, um sie zu bemerken — es genügt, hinzusehen, wo die Blütenschälchen liegen und warum die Straße gerade gesperrt ist.
Und ein wenig Rücksicht kostet nichts.