Reiseblog
Balinesische Namen
- Die vier Namen
- Wayan, Made, Nyoman, Ketut
- Was sie bedeuten
- Erst-, Zweit-, Dritt-, Viertgeborenes
- Ab dem fünften Kind
- Es beginnt wieder von vorn
- Ni und I
- Weiblich und männlich
Wer eine Woche auf Bali unterwegs ist, lernt einen Fahrer namens Wayan kennen, eine Kellnerin namens Made und einen Guide namens Ketut. Nach der dritten Begegnung mit einem Wayan fragt man sich, ob das ein Zufall ist.
Ist es nicht. Auf Bali sagt der Vorname nicht, wer jemand ist — er sagt, als wievieltes Kind jemand geboren wurde.
Die vier Namen
Es gibt vier, und sie werden in fester Reihenfolge vergeben:
| Reihenfolge | Name | Auch gebräuchlich |
|---|---|---|
| 1. Kind | Wayan | Putu, Gede |
| 2. Kind | Made | Kadek, Nengah |
| 3. Kind | Nyoman | Komang |
| 4. Kind | Ketut | — |
Beim fünften Kind fängt es wieder von vorn an: Es heißt dann wieder Wayan, gelegentlich mit einem Zusatz wie „Wayan Balik“ — der zurückgekehrte Wayan.
Weil die vier Namen für Jungen wie Mädchen gelten, kommt ein Zusatz davor: Ni für weiblich, I für männlich. Aus dem Erstgeborenen wird also I Wayan, aus der Erstgeborenen Ni Wayan.
Was das im Alltag bedeutet
Es bedeutet, dass sehr viele Menschen gleich heißen — und dass der Name eine Information trägt, die bei uns niemand aus einem Vornamen liest. Wer Ketut heißt, ist das vierte Kind. Wer Nyoman heißt, hat mindestens zwei ältere Geschwister.
Unterschieden wird im Alltag über Spitznamen, den zweiten Namen oder schlicht über den Zusammenhang. In größeren Betrieben tragen Angestellte deshalb oft Namensschilder mit einem Rufnamen, den sie selbst gewählt haben.
Übrigens: Weil indonesische Familien heute meist zwei Kinder haben, werden Nyoman und Ketut seltener. Ein Ketut unter dreißig ist inzwischen eine Ausnahme.
Die Kastentitel
Neben der Geburtsreihenfolge gibt es eine zweite Ebene, und sie hängt mit der Religion zusammen. Der balinesische Hinduismus kennt vier Stände, und für drei davon gibt es eigene Namensbestandteile:
- Ida Bagus (männlich) und Ida Ayu (weiblich) — für die Brahmanen, den Priesterstand.
- Anak Agung, Cokorda, Dewa oder Gusti — für den Adels- und Kriegerstand.
- Ni und I allein, mit den vier Geburtsnamen — für die große Mehrheit.
Wer also I Wayan heißt, gehört zur größten Gruppe. Wer Ida Bagus heißt, stammt aus einer Priesterfamilie. Das ist im gedruckten Namen sofort erkennbar, und genau deshalb ist es auch politisch heikel: Formal spielen die Stände in Indonesien keine Rolle mehr, im Alltag sind sie über die Namen weiterhin sichtbar.
Verwandt damit sind die Höflichkeitsebenen der balinesischen Sprache — mehr dazu unter Sprache auf Bali.
Wie man jemanden anspricht
Mit dem Namen, ohne den Zusatz: „Wayan“, nicht „I Wayan“. Für Ältere ist Bapak (Herr, abgekürzt Pak) und Ibu (Frau, abgekürzt Bu) üblich — Pak Wayan, Bu Made. Das gilt als höflich und ist in fast jeder Situation richtig.
Und warum das kein Zufall ist
Das System wirkt auf den ersten Blick unpraktisch. Es hat aber eine Logik, die zum Rest der Insel passt: Nicht das Individuum steht im Mittelpunkt, sondern die Stellung in einer Ordnung — in der Familie, im Dorf, im Verhältnis zu den Ahnen.
Wer verstehen will, warum Bali funktioniert, wie es funktioniert, findet in den Namen einen guten Anfang.