Reiseblog

Walter Spies

Gestufte Reisterrassen im Grün
Lebensdaten
1895 bis 1942
Auf Bali ab
1927
Wohnort
Campuan bei Ubud
Wirkung
Malerei, Kecak, das Bild Balis im Westen

Wenn Reisende sich Bali vorstellen, bevor sie es gesehen haben — Reisterrassen im Morgenlicht, Tänzerinnen mit Goldkopfschmuck, ein Dorf zwischen Palmen und Vulkanen —, dann denken sie in Bildern, die zu einem guten Teil auf einen einzigen Menschen zurückgehen: Walter Spies.

Er war Maler, Musiker und der wohl wirkungsvollste Vermittler zwischen Bali und Europa. Und er starb im Alter von 46 Jahren, nachdem ihn zuerst die Kolonialbehörde und dann der Krieg eingeholt hatte.

Der Weg nach Bali

Spies wurde 1895 in Moskau geboren, als Sohn eines deutschen Diplomaten. Er wuchs zweisprachig auf, war musikalisch früh begabt und kam nach dem Ersten Weltkrieg nach Deutschland, wo er in der Kunstszene der Weimarer Republik verkehrte.

1923 verließ er Europa Richtung Java, wurde dort Hofmusiker des Sultans von Yogyakarta — und kam 1927 nach Bali. Er blieb.

Campuan

Er ließ sich in Campuan nieder, damals ein Weiler westlich von Ubud, an dem Punkt, wo zwei Flüsse zusammenfließen. Der Höhenzug oberhalb ist heute als Campuhan Ridge Walk einer der beliebtesten Spazierwege der Insel.

Sein Haus wurde ein Anlaufpunkt. Wer in den 1930er-Jahren aus dem Westen nach Bali kam und etwas über die Insel wissen wollte, landete bei Spies — Ethnologen, Schriftsteller, Musiker, Filmleute. Er zeigte ihnen die Insel, übersetzte, erklärte und stellte Kontakte her.

Was er bewirkt hat

In der Malerei. Gemeinsam mit dem Niederländer Rudolf Bonnet gründete Spies 1936 die Künstlervereinigung Pita Maha, die balinesische Maler zusammenbrachte und ihre Arbeiten nach außen vermittelte. Der Einfluss ging in beide Richtungen: Westliche Vorstellungen von Perspektive und Komposition flossen in die balinesische Malerei ein, die sich in dieser Zeit stark veränderte — weg von rein religiösen Motiven, hin zu Szenen des Alltags.

Ob das ein Gewinn war, wird bis heute unterschiedlich beurteilt. Unstrittig ist, dass die Malerei, die heute in Ubuds Galerien hängt, ohne diese Jahre anders aussähe.

Beim Kecak. Spies wirkte daran mit, den Kecak in die Form zu bringen, in der Besucher ihn heute sehen. Der Chor, der den Rhythmus mit „cak-cak-cak“ erzeugt, stammt aus einem alten Trance-Ritual; zusammen mit dem Tänzer Wayan Limbak wurde daraus für westliche Zuschauer — und für einen Film — eine Aufführung mit Handlung aus dem Ramayana.

Das ist der Punkt, an dem seine Rolle ambivalent wird: Was heute als uralte balinesische Tradition verkauft wird, ist in dieser Gestalt keine hundert Jahre alt und entstand auch für ein fremdes Publikum.

Im Bild Balis. Seine Gemälde zeigen eine Insel in tiefem Grün, mit gestaffelten Hügeln, winzigen Menschen und einem Licht, das es so nur in der Malerei gibt. Diese Bilder gingen um die Welt und schufen die Vorstellung vom „letzten Paradies“ — eine Vorstellung, die dem Tourismus der Insel bis heute vorausgeht.

Das Ende

1938 begann die niederländische Kolonialverwaltung eine Kampagne gegen Homosexuelle in Niederländisch-Indien. Spies wurde verhaftet und verbrachte Monate im Gefängnis. Freunde, unter ihnen die Anthropologin Margaret Mead, setzten sich für ihn ein; er kam wieder frei.

Mit dem deutschen Überfall auf die Niederlande 1940 wurde er als deutscher Staatsbürger von der Kolonialmacht interniert. Anfang 1942 sollten die Internierten per Schiff nach Britisch-Indien gebracht werden. Die Van Imhoff wurde am 19. Januar 1942 von einem japanischen Flugzeug bombardiert und sank. Die niederländische Besatzung verließ das Schiff in den Rettungsbooten; die eingesperrten Gefangenen ließ sie zurück.

Walter Spies gehörte zu den Toten.

Was von ihm zu sehen ist

Sein Haus in Campuan gehört heute zu einem Hotel; einzelne Räume sind erhalten. Bilder von ihm hängen in Museen in Ubud, und einzelne Werke tauchen im internationalen Kunsthandel auf, wo sie zu den teuersten Arbeiten zählen, die je auf Bali entstanden sind.

Am ehesten begegnet man ihm aber ohne Museum: bei einer Kecak-Aufführung zum Sonnenuntergang, in einer Galerie in Ubud — und in dem Bild, das man sich von Bali gemacht hat, bevor man kam.

Fazit

Walter Spies ist eine der widersprüchlichsten Figuren der Inselgeschichte: ein Vermittler, der half, eine Kultur sichtbar zu machen — und dabei mitprägte, wie sie sich für Fremde darstellt.

Wer in Ubud durch die Galerien geht oder abends dem Kecak zusieht, sieht auch ihn. Es lohnt sich, das zu wissen.