Sehenswürdigkeiten
Goa Gajah
- Lage
- Bedulu, rund 6 Kilometer von Ubud
- Entstehung
- Vermutlich 11. Jahrhundert
- Wiederentdeckt
- Höhle 1923, Badebecken 1954
- Kleiderordnung
- Sarong Pflicht, vor Ort erhältlich
Der Eingang ist das, was von Goa Gajah in Erinnerung bleibt: ein aus dem Fels geschlagenes Gesicht mit aufgerissenen Augen, geblähten Nüstern und einem Mund, der weit genug offen steht, dass ein Mensch hindurchgeht. Man tritt in diesen Mund hinein, und dahinter wird es schlagartig dunkel und kühl.
Auf Deutsch heißt der Ort Elefantenhöhle. Elefanten hat es auf Bali allerdings nie gegeben — der Name hat eine andere Herkunft, und ganz sicher ist sie bis heute nicht.
Wo liegt Goa Gajah?
Die Anlage liegt beim Dorf Bedulu im Bezirk Gianyar, rund sechs Kilometer südöstlich von Ubud. Mit dem Roller sind es von dort etwa 15 bis 20 Minuten, aus dem Süden der Insel gut anderthalb Stunden.
Vom Parkplatz führt eine breite Treppe hinunter in eine Senke — die Anlage liegt unterhalb des Straßenniveaus, am Rand einer bewaldeten Flussschlucht. Das ist angenehm, weil es unten deutlich kühler ist, und es lohnt sich, den Weg noch weiter hinabzugehen: Am Fluss stehen weitere Überreste, die die meisten Besucher auslassen.
Goa Gajah lässt sich gut mit anderen Zielen der Umgebung verbinden — mit den Königsgräbern von Gunung Kawi, den heiligen Quellen von Tirta Empul oder den Reisterrassen von Tegalalang.
Das Gesicht am Eingang
Wer oder was da in den Fels gehauen ist, wird unterschiedlich gedeutet. Häufig heißt es, es handle sich um Bhoma, ein Wesen aus der Erde, dessen Kopf über balinesischen Tempeltoren wacht und Unheil abhält. Andere sehen die Hexe Rangda, andere einen Dämon ohne festen Namen.
Für die Wirkung ist das zweitrangig. Um das Maul herum wuchern in Stein gehauene Blätter, Wellen und Gestalten, als wollte der Fels die Öffnung wieder verschließen. Über dem Eingang steht eine kaum noch lesbare Inschrift in altjavanischer Schrift.
Was in der Höhle ist
Der Gang dahinter ist überraschend klein. Er verläuft ein Stück geradeaus und teilt sich dann nach links und rechts, sodass ein liegendes T entsteht. Die Wände sind roh belassen, in Nischen könnten Mönche meditiert haben — das ist die verbreitetste Deutung.
Am einen Ende steht eine Figur des elefantenköpfigen Gottes Ganesha, am anderen eine Gruppe von Lingam — steinerne Symbole Shivas — mit ihrem weiblichen Gegenstück, dem Yoni. Beides zusammen deutet auf einen shivaitischen Ort hin.
Die Höhle ist eng, feucht und rußgeschwärzt vom Rauch der Räucherstäbchen. Wer klaustrophobisch veranlagt ist, sollte wissen, dass es drinnen kaum Ausweichmöglichkeiten gibt, wenn eine Reisegruppe hineinströmt. Der Rundgang dauert nur wenige Minuten.
Die Badebecken
Vor der Höhle liegen zwei rechteckige Becken, aus denen sechs steinerne Frauenfiguren Wasser in die Anlage gießen. Sie sehen aus, als hätten sie immer dort gestanden — tatsächlich lagen sie jahrhundertelang unter Erde und Geröll.
Die Höhle selbst war niederländischen Altertumsforschern seit 1923 bekannt. Die Becken kamen erst gut drei Jahrzehnte später ans Licht: Sie wurden 1954 ausgegraben. Seither sprudelt das Wasser wieder, und die Anlage hat den fotogenen Vorplatz, den sie heute ausmacht.
Woher der Name kommt
Zwei Erklärungen konkurrieren. Die naheliegende verweist auf die Ganesha-Figur im Inneren — ein Gott mit Elefantenkopf, also die Elefantenhöhle.
Die andere ist wahrscheinlicher und weniger einleuchtend: In altjavanischen Texten taucht ein Ort namens „Lwa Gajah" auf, was sich als Elefantenfluss lesen lässt und vermutlich ein buddhistisches Kloster am nahen Fluss Petanu bezeichnete. Aus Lwa Gajah wurde Goa Gajah — aus dem Fluss eine Höhle.
Für diese Spur spricht, dass unterhalb der Anlage, am Fluss, Bruchstücke buddhistischer Stupas liegen. Hindus und Buddhisten haben diesen Platz offenbar beide genutzt, und das ist auf Bali kein Widerspruch, sondern hat lange Tradition.
Praktisches für den Besuch
Die Treppen sind steil und bei Nässe rutschig; feste Schuhe sind besser als Flipflops. Wer den ganzen Weg bis zum Fluss hinuntergeht, sollte etwa eine Stunde einplanen — nur für Höhle und Becken reicht die Hälfte.
Wie an allen heiligen Orten gelten die üblichen Benimmregeln: nicht auf Opfergaben treten, bei Zeremonien zurücktreten, nicht in Badende hineinfotografieren.
Fazit — lohnt sich Goa Gajah?
Als eigenständiges Reiseziel ist die Anlage klein; wer eine große Tempelstadt erwartet, wird enttäuscht sein. Als Station auf einer Tagestour nördlich von Ubud ist sie dagegen eine der interessantesten, weil hier zwei Dinge zusammenkommen, die man selten nebeneinander sieht: ein Ort, der offensichtlich sehr alt ist, und die Tatsache, dass ein guter Teil davon erst vor siebzig Jahren wieder ans Licht kam.
Früh kommen. Dann hat man das Gesicht für einen Moment für sich.