Sehenswürdigkeiten

Tirta Gangga

Balinesischer Tempel mit gestuften Meru-Dächern
Lage
Karangasem, Osten Balis
Erbaut
Ab 1946
Bauherr
Letzter Radscha von Karangasem
Fläche
Rund ein Hektar

Das Bild kennt fast jeder, der sich Bali einmal angesehen hat: runde Steine, die in einer Reihe aus dem Wasser ragen, darunter orangerote Karpfen, ringsum Springbrunnen und tropisches Grün. Wer darüber balanciert, steht in Tirta Gangga.

Eines sollte man dabei wissen, weil es fast überall falsch steht: Tirta Gangga ist kein Tempel. Die Anlage wird oft als „Wassertempel" bezeichnet und rankt auch unter diesem Namen — tatsächlich ist sie ein königlicher Wasserpalast, also ein weltlicher Garten. Heilig ist die Quelle, die ihn speist.

Der Name sagt das schon: „Tirta" bedeutet geweihtes Wasser, „Gangga" verweist auf den Ganges. Wasser vom Ganges, gewissermaßen.

Wo liegt Tirta Gangga?

Der Wasserpalast liegt im Osten Balis im Bezirk Karangasem, wenige Kilometer nördlich der Bezirkshauptstadt Amlapura, am Fuß der Berge und in Sichtweite des Gunung Agung. Ringsum ziehen sich Reisterrassen die Hänge hinauf — die Gegend gehört zu den grünsten der Insel.

Von Amed sind es je nach Route etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde, von Candidasa ähnlich, von Ubud rund zwei Stunden und aus dem Süden entsprechend mehr. Als Tagesausflug von Kuta aus ist das machbar, aber ein langer Tag.

Sinnvoller ist die Kombination mit anderen Zielen des Ostens: dem Wasserpalast Taman Ujung an der Küste südlich von Amlapura, dem Muttertempel Besakih am Agung oder den Reisterrassen von Sidemen.

Die Geschichte: ein König, ein Garten, ein Vulkan

Gebaut wurde die Anlage ab 1946 — also erstaunlich spät — von Anak Agung Anglurah Ketut Karangasem, dem letzten Radscha von Karangasem. Er war für seine Wasserbauten bekannt; Taman Ujung geht ebenfalls auf ihn zurück.

Der Ort war nicht zufällig gewählt: Hier entspringt eine Quelle, die als heilig gilt und deren Wasser bis heute für Tempelzeremonien in der Umgebung geholt wird. Der König legte seinen Garten um diese Quelle herum an, mit Becken, Kanälen, Fontänen und Statuen.

Siebzehn Jahre später kam der Ausbruch des Gunung Agung von 1963. Ascheregen und Lahare richteten in der ganzen Region schwere Schäden an, und auch Tirta Gangga wurde stark beschädigt. Was man heute sieht, ist zu großen Teilen Wiederaufbau — sorgfältig gemacht, aber eben nicht durchgehend original.

Was es zu sehen gibt

Die Anlage ist mit rund einem Hektar überschaubar und in Terrassen gegliedert, die man in etwa einer Stunde durchgeht.

Die Trittsteine. Der berühmteste Teil: eine Reihe flacher Steine, die über den unteren Teich führt. Darunter drängen sich Koi-Karpfen, die an Fütterung gewöhnt sind und den Steinen entsprechend hinterherziehen. Fischfutter gibt es vor Ort zu kaufen.

Der elfstöckige Brunnen. Im Zentrum steht ein Springbrunnen, der sich in elf Ebenen nach oben verjüngt — ein Motiv, das in der balinesischen Architektur für Rang und Ordnung steht.

Die Schwimmbecken. Auf der oberen Terrasse liegen zwei Becken mit klarem, kühlem Quellwasser, in denen tatsächlich gebadet werden darf. Das ist wenig bekannt und gegen einen kleinen Aufpreis möglich.

Die Statuen. Zwischen den Becken stehen Figuren aus der hinduistischen Mythologie, Wasserspeier und steinerne Wächter — darunter eine markante Gruppe, die den Aufgang flankiert.

Wann man kommen sollte

Die zweitbeste Zeit ist der späte Nachmittag, wenn die Bustouren wieder abgezogen sind. Mittags ist es voll und heiß.

Für die Regenzeit gilt eine praktische Einschränkung: Die Steine werden rutschig, und der Teich ist an manchen Tagen trüber. Schuhe mit Profil helfen — barfuß balanciert es sich zwar besser, aber die Steine sind an den Kanten scharf.

In der Umgebung

Von Tirta Gangga aus lohnen sich Wanderungen durch die umliegenden Reisterrassen; die Wege sind einfach und führen an Dörfern vorbei, in denen kaum Tourismus stattfindet. Örtliche Guides bieten geführte Runden von zwei bis vier Stunden an.

Nicht weit entfernt liegt außerdem der Tempel Pura Lempuyang, bekannt für das „Tor zum Himmel" mit dem Blick auf den Agung — allerdings mit deutlich längeren Wartezeiten als hier.

Fazit — lohnt sich Tirta Gangga?

Ja, wenn man ohnehin im Osten unterwegs ist, und ja auch dann, wenn man das Foto von den Trittsteinen schon hundertmal gesehen hat. Die Anlage ist klein, aber sie ist sorgfältig gemacht, es ist kühl und schattig, und man kann tatsächlich im Quellwasser schwimmen — was auf einer Insel voller Sehenswürdigkeiten, die man nur anschauen darf, ungewöhnlich genug ist.

Wer allein wegen des Fotos anreist, sollte früh kommen. Wer bleibt, hat einen der angenehmsten Orte des Ostens für sich.